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Als wir unser dänisches Haus das erste Mal besichtigt haben, wusste ich, das ziemlich viel Arbeit vor uns lag. Ich hatte jedoch klare Vorstellungen, erkannte das Potential der einzelnen Räume und wir waren bereit unsere ganze Kraft in die Renovierung zu stecken, um es aus seinem Dornröschenschlaf zu holen.
Was mich aber wirklich schockierte, war das Badezimmer. Dass es klein (sehr klein) ist, wusste ich schon vom Grundriss und empfand es nicht als schlimm. Alles war vorhanden und funktionell aufgeteilt. Das war also okay.
Wie im Rest des Hauses bestand auch hier akuter Renovierungsbedarf. Wobei ich diesen kleinen Raum wirklich als einen der schlimmsten empfunden habe. Ich brauche kein Luxusbad, aber sauber, gepflegt und ansprechend sollte es schon sein. Vielleicht war der Schock auch noch größer, weil wir in Deutschland eine moderne Wohnung mit gehobener Ausstattung bewohnten und hier gerade das komplette Gegenteil vor uns hatten.
Auf jeden Fall fielen mir sofort gravierende Dinge ins Auge:
Alles in Allem also ungefähr soweit entfernt von einer Wellnessoase wie der Mond von der Erde.
Das einzig Mögliche, was mir dazu einfiel war eine komplette Badsanierung. (Ich war euphorisch von dem Gedanken an einen Hauskauf und schob die Kostenfrage gedanklich erst einmal weg.)
Bei unserem Einzug wirkte es zumindest schon etwas „geräumiger“, weil alle alten Möbel raus waren. Aber nun sah man noch deutlicher, wie schlecht der Zustand war.
Die Fliesenfarbe löste sich an vielen Stellen oder war durch das Entfernen von Regalen und Halterungen nicht mehr vorhanden.
Am Boden der Badewanne waren große Flächen des Lacks abgesprungen und überall befanden sich Blasen unter der Farbe.
Der alte Terrazzoboden war schmutzig (nicht nur oberflächlich) und an einigen Stellen gerissen. In einem großen Eingangsbereich hätte ich mit dieser „Patina“ vielleicht leben können, aber nicht in einem Badezimmer, wo ich mit nackten Füßen darauf stehen möchte.
Um zumindest etwas von unserem Stil in den Raum zu bringen, unterzog ich alles einer intensiven Grundreinigung und tauschte den alten Duschvorhang gegen einen neuen weißen. Danach bauten wir unseren mitgebrachten Waschtisch und einen Spiegelschrank auf. Der Herzmann demontierte die alte Stange über der Badewanne (kein Kopfstoßen mehr beim Duschen…) sowie die in die Jahre gekommene Gardinenstange. Das steigerte zumindest die Nutzbarkeit, ließ mein Interiorherz aber nicht wirklich höher schlagen. Auch das Drapieren der kuscheligen Badematte änderte nichts an dem Grundekel, den ich beim Betreten des Bades empfand.
Ich wollte und brauchte so schnell es ging eine Lösung. Mehr als einmal bat ich den Herzmann um „Abreißen und neu bauen“ und das bitte gestern…
Bereits in Deutschland hatte ich erste Visionen zur Umgestaltung. Genau wie die Küche, sollte eigentlich auch hier alles anders und neu gemacht werden.
Zu meinen ersten Ideen zählte die Vergrößerung des Raums durch Versetzen der rechten Wand in Richtung des angrenzenden Flurs. Dann wünschte ich mir anstelle der Badewanne eine begehbare Dusche und der alte Heizkörper sollte gegen einen Handtuchtrockner oder eine Infrarotheizung getauscht werden.
Meine Planung stand (zumindest auf dem Papier), fehlte nur noch der Handwerker, der sie umsetzt. Die erste grobe Kostenschätzung eines VVS (so heißen die Sanitärfachfirmen in Dänemark) ließ mich hart auf den (Terrazzo)Boden der Realität aufschlagen. Die Sanierung meiner Träume lag bei rund 100.000 DKK (das sind umgerechnet ca. 14.000 Euro).
Eine weitere herbeigerufene Firma veranschlagte sogar einen noch höheren Preis.
Das sprengte ganz eindeutig unser Budget. Kosten für die Renovierung waren in unserer Komplettrechnung eingeplant, aber eben im normalen Rahmen. Wir hatten ja gerade das Haus gekauft und eine Auswanderung mit allem drum und dran ist auch kein Schnäppchen.
Ein neuer Plan musste her und das möglichst schnell.
Wir überlegten, ob und was bleiben durfte und wie wir das Ganze kostengünstig und in Eigenleistung hübsch und funktional umgestalten könnten.
Unsere Planung begann mit einer Bestandsaufnahme:
Als erstes nahm ich mir die Silikonfugen der Badewanne vor. Diese war im Anschluss an die Wand teilweise schwarz schimmelig und so musste sie komplett ausgetauscht werden. Ich erwartete eigentlich auch Schimmel darunter, wurde aber mit einem sauberen glatten Untergrund überrascht.
Beflügelt und nahezu euphorisch ging es mit der Badewanne weiter. Ich hatte probiert, den Lack an den Stellen, wo er sowieso locker war abzukratzen. Bei den Fliesen funktionierte das super mit einem Ceranfeldschaber, das probierte ich auch hier. Und was soll ich sagen, der Lack war ab (im wahrsten Sinne des Wortes). Okay, das hört sich jetzt sehr entspannt an… In der Realität brauchten wir zu zweit (immer abwechselnd, wenn die Hände nicht mehr wollten) ein ganzes Wochenende um alles abzubekommen.
Ein Schaber für Kochfelder hat den Vorteil, dass er dafür gemacht ist, Dinge von glatten Oberflächen abzukratzen, ohne diese dabei zu beschädigen. Und so kam unter der himmelblauen Lackschicht eine nahezu vollkommen intakte weiße Badewanne zum Vorschein. Mit einem ausgiebigen Putzeinsatz sah sie fast aus wie neu.
Endlich duschen ohne Abscheu vor den rumschwimmenden Lackstückchen…
Dann kamen die Fliesen. Jede einzelne befreiten wir mit unserem mittlerweile besten Freund, dem Schaber, von der mattbeigen Lackschicht und freuten uns über jeden kleinen Fortschritt. Darunter kamen cremefarbene glatte Fliesen zum Vorschein. Ich war fast soweit, sie zu lassen, bis ich auf die ersten Beschädigungen und Löcher stieß. Also doch alle folieren. Im Nachhinein bin ich froh über die Entscheidung!
Das Freilegen der (insgesamt 410) Fliesen hat fast eine Woche gedauert und war wirklich kein Spaß… Aber es hat sich gelohnt! Den alten Griff an der Badewanne haben wir dann auch gleich abmontiert und alle Löcher zugespachtelt.
Als die schlimmsten Arbeiten fertig waren, ging es an Decke und Wände. Das Holz an der Decke sah auch bei genauerem Hinsehen sehr gut aus und ließ sich leicht reinigen. Die alte Lasur hielt und passte im Farbton zum geplanten Rest. Eine Arbeit gespart…
Die Tapete mit Wabenstruktur war intakt und so wurde sie einfach in weiß übergestrichen nachdem alle alten Löcher zugespachtelt waren. Das war einfach und ging relativ schnell. Gleich sah der ganze Raum viel freundlicher aus.
Was jetzt kam, war wirklich reinste (Straf ) Fleißarbeit. Die Fugen mussten gestrichen werden und zwar jede einzelne zweimal… Wir haben uns für weiße Farbe (Fugenfrisch über Amazon)(*) entschieden und Ihr seht auf den Bildern, dass ich sie jeweils ein Stück auf die Fliese aufgetragen habe. Normalerweise bleibt man innerhalb der Fuge und entfernt anschließend eventuelle Überschüsse. In unserem Fall sind die Fliesenaufkleber (*) ca. 2 mm kleiner als die Fliesen und durch das Übermalen sieht es am Ende so aus, als wären die Fugen einfach etwas breiter.
Da unsere Fugen vorher dunkelgrau und wirklich alt waren, habe ich zwei Schichten von dem Fugenfrisch aufgetragen. Bei neueren, helleren reicht vielleicht ein einmaliger Anstrich. Ich wollte aber sicher gehen, dass später nichts von der alten Farbe durchschimmert.
Bevor Ihr anfangt zu streichen, solltet Ihr unbedingt die Fugen gründlich reinigen, damit alter Schmutz oder Fett weg ist. Sonst kann sich die Farbe nicht richtig mit dem Untergrund verbinden. Ich habe das mit reichlich Spüliwasser und einer Fugenreinigungsbürste gemacht.
Solltet Ihr auch einen zweiten Anstrich benötigen, lasst die erste Schicht gut durchtrocknen (bei uns haben wir einen ganzen Tag gewartet), sonst zieht Ihr die Farbe mit jedem Pinselstrich wieder runter…
Nachdem die Fugen gut durchgetrocknet waren, fing ich an, die Fliesen zu folieren. Das habe ich schon einmal in unserer Wohnung in Deutschland gemacht (Gäste WC Makeover) und war bis zum Auszug mit dem Ergebnis super zufrieden.
Dort hatte ich die Folie von Resimdo verwendet und die einzelnen Aufkleber passgenau zugeschnitten bestellt. Die Kosten waren überschaubar, aber dennoch nicht gerade niedrig.
Auf einem anderen Blog hatte ich einen Beitrag über fertige Fliesenaufkleber gelesen, die wesentlich kostengünstiger und trotzdem qualitativ gut sein sollten. Das wollte ich bei unserem Projekt ausprobieren und habe ich mich für die fertigen Fliesenaufkleber (*) in dunkelbeige matt entschieden. Diese haben die Maße 15 x 15 cm, was eigentlich dem Standardmaß für kleine Fliesen entspricht. Aber, wir leben ja jetzt in Dänemark und hier gilt ein anderer Standard… Unsere Fliesen sind 15,15 x 15,15 cm groß, also ca. 2 mm größer. Mit der etwas großzügig aufgetragenen Fugenfarbe passte das aber wunderbar. Und es fällt gar nicht auf, wenn alles fertig ist.
Ich machte mich also daran 410 Fliesen zu bekleben und schaffte dies in einer Woche (mit einigen Pausen aufgrund mangelnder Motivation). Mit der Qualität dieser Folie bin ich auch sehr zufrieden, sie lässt sich leicht anbringen und haftet wirklich gut. Das Material ist etwas dünner als bei Resimdo, aber sehr strapazierfähig und reißfest.
Sie lassen sich auch leicht zuschneiden. Für Feinarbeiten (rund um die Armaturen etc.) habe ich ein Cuttermesser genommen, für den Rest eine herkömmliche Haushaltsschere.
Vor dem Kleben muss jede Fliese (wie bei allen Folierarbeiten) gut gereinigt werden, damit sie fett- und schmutzfrei sind, ansonsten haftet der Aufkleber nicht richtig und könnte sich wieder lösen.
Beim Folieren muss man nur darauf achten, dass sich keine Blasen bilden und man die Folie gerade auf die Fliese aufbringt. In unserem Fall habe ich an jeder Seite ca. 1 mm frei gelassen. Bei passenden Fliesenmaßen setzt man sie einfach an der Fugenkante an und streicht die Folie mit einem Rakel glatt über die Fliese. Eventuelle Korrekturen kann man noch gut vornehmen, bevor man sie dann mit etwas festerem Druck richtig auf der Fliese fixiert. Ein Versiegeln der Kanten ist nicht notwendig. Nach ca. einem Tag hat sich der Folienaufkleber so fest mit dem Untergrund verbunden, dass auch Putzen kein Problem ist.
Der Hersteller schreibt, dass man sie auch nass kleben kann. Also die Fliesenfolie vorher mit Wasser einsprühen, dann den Aufkleber auf der Fliese ausrichten und mit einem Rakel das Wasser (mit den eventuellen) Blasen zu den Seiten rausschieben. Diese Methode mag ich nicht so gerne und habe lieber „normal“ foliert.
Sollten sich bei defekten Fliesen Unebenheiten durchdrücken, klebt einfach einen zweiten Fliesenaufkleber über den ersten. Das hat bei uns super funktioniert, man sieht keine Risse oder Löcher mehr. Das Gleiche gilt auch für Fliesen mit leicht erhabenen Mustern.
Mit der Erneuerung des Fußbodens näherte ich mich nun endlich in großen Schritten der Fertigstellung. Wir haben uns für selbstklebende Bodenfliesen aus Vinyl (*) in Weiß entschieden. Mit einem Maß von 30 x 30 cm waren die 28 Fliesen in unserem Minibadezimmer schnell verlegt.
Auch hier gilt, erst den Untergrund gründlich reinigen bevor die Fliesen geklebt werden. Das Material ist relativ dick und hart, lässt sich aber gut schneiden. Man sollte die Fliesen nicht zu sehr biegen, weil sie dann brechen, ein bisschen flexibel sind sie aber schon. Die Oberfläche ist leicht strukturiert, damit sie rutschfest sind. Das war uns persönlich sehr wichtig, weil wir nach dem Duschen mit nassen Füßen einen sicheren Stand haben wollten. Mit der Klebkraft bin ich sehr zufrieden. Sie bleiben an ihrem Platz und sind auch beim Putzen bisher nicht verrutscht.
Zuerst habe ich alle Platten, die nicht geschnitten werden mussten lose auf den Boden gelegt und dann erst an der Position aufgeklebt. So hatte ich schnell die geraden Flächen fertig.
Für die Rundung an der Toilette habe ich mir eine Papierschablone angefertigt. Die Fliesen für den Bereich habe ich im Flur angeordnet, die Schablone darauf gelegt und mit einem Stift die Konturen aufgezeichnet. Anschließend mit einer Schere die Überstände abgeschnitten und die Fliesen einzeln nacheinander an ihrem Platz verklebt.
Da der Terrazzoboden bei uns bis unter die Fliesenkante nach oben gezogen ist, habe ich zum Abschluss eine flexible Sockelleiste (*) rundherum angebracht. Das gibt einen schönen Übergang und gleichzeitig ist alles wasserfest versiegelt.
Und weil ich gerade so im Folierfieber war, nahm ich mir auch gleich den Waschbeckenschrank vor. Diesen hatten wir aus Deutschland mitgebracht und eigentlich war es ein Set mit passendem Einsatzwaschbecken.
Bei den Maßen des Waschbeckens hatte ich mich etwas vertan. Für ein Gäste-WC wäre es bestimmt perfekt, aber zum „normalen“ täglichen Gebrauch ist es einfach zu klein. Die Ablage drumherum war größer als das Waschbecken selbst…
Da wir aber den Schrank gerne trotzdem verwenden wollten, setzten wir eine schlichte Möbelplatte (die stand noch im Keller von einem alten Schrank) darauf und ich folierte alles einheitlich in einem hellen Birkenholzton. Jetzt passte der ursprünglich dunkelgraue Schrank sogar noch besser in unser mittlerweile sehr helles Badezimmer.
Mit kleinen Füßen glich ich die Höhe zum wandmontierten Waschbecken aus, so dass alle Rohre und Anschlüsse verdeckt waren.
Jetzt fehlte nur noch die Tür. Diese ist aus dunklem Mahagonieholz (wie auch alle anderen in unserem Haus) und ganz ehrlich mochte ich noch nie dunkle Holztüren. In allen unseren Wohnungen habe ich die dunklen Türen entweder foliert, gestrichen oder gegen weiße ausgetauscht.
Das Letzte kam hier nicht in Frage (Ihr wisst schon, aus Kostengründen) und die weiße Folie wollte partout nicht auf dem Holz halten. Also griff ich zum Pinsel und lackierte sie mattweiß. Den alten Riffelglaseinsatz beklebte ich von beiden Seiten mit Milchlasfensterfolie und versiegelte die Kanten mit weißem Acryl. Jetzt sieht es tatsächlich so aus, als wäre es eine „neue“ Milchglasscheibe.
Die alten (echt dänischen) Türgriffe aus schwarzem Bakelit mussten bleiben. Ich finde sie total charmant und besonders. Wir haben sie an allen Türen und alle funktionieren noch. Nach einer intensiven Grundreinigung sehen sie aus wie neu.
Auf das Endergebnis bin ich wirklich ziemlich stolz. Es ist kein Designbadezimmer geworden, aber wir haben aus dem vorhandenen das – wie ich finde – Beste herausgeholt. Freundlich, hell und einladend. Die (kleine) Größe ist ausreichend für alles, was man im Bad so machen möchte (ich rede von Duschen, Waschen etc…) und ich fühle mich dabei kein bisschen eingeengt.
Das schönste Kompliment kam von unserer Nachbarin, die den alten Zustand des Hauses kannte. Sie fragte mich nach der Telefonnummer des Fliesenlegers und dem Preis für die neuen Fliesen. Dass es sich um Fliesenfolie handelt glaubte sie mir nicht und erst nach ganz genauem Hinschauen fiel es ihr auf.
Die gesamte Umgestaltung hat ca. zwei Wochen gedauert und insgesamt knapp 600 Euro gekostet.
Ein bisschen dezente Deko noch und aus einem wirklich gruseligen Raum ist für relativ wenig Geld unsere kleine Wellnessoase geworden.
Die Kerzen auf dem Fensterbrett sind eigentlich für den Outdoorbereich. Dadurch sind sie wasserfest und können auch einen Strahl aus der Dusche vertragen. Das Pferdchen ist aus Polyresin und ebenfalls wasserfest.
Auf dem Beckenrand tront das „Heiligtum“ des Herzmannes in Form einer Quietschente seines Lieblingsvereins St. Pauli. Passt farblich nicht ganz perfekt, wird aber geduldet…
Zusammenfassend kann ich sagen, dass sich die ganze Arbeit wirklich gelohnt hat.
Ich will nicht ausschließen, dass wir in ein paar Jahren doch noch eine große Sanierung durchführen, aber bis dahin leben wir gerne mit unserer kostengünstigen Lösung und freuen uns jeden Tag, wenn wir das Badezimmer betreten.
Ich habe Euch die verwendeten Produkte unten verlinkt, falls Ihr das eine oder andere auch gerne verwenden möchtet.
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